Transfers werden immer schneller abgewickelt

 

Fußballmanager ist einer der beliebtesten und attraktivsten Berufe in der heutigen Zeit. Die Ursache dafür liegt wohl in den hohen Umsätzen, die in diesem Sektor erzielt werden.

Es ist nicht nur damit getan, die Talente der guten Spieler zu entdecken, sondern auch die unsichtbare Seite dieses Geschäfts zu erfüllen. Dies betrifft detaillierte technische und rechtliche Anforderungen, wie zum Beispiel Satzungen und Reglements. Seit dem Jahr 2001 gibt es durch die jeweiligen Landesverbände unter der Federführung der FIFA  Prüfungen für Spielerberater, in welchem diese Kriterien schriftlich geprüft werden und dann Lizenzen erteilt werden.

Seit 1983 ist Helmut Richter im Fußballmanagement tätig und berät Fußballprofis. Er begann seine Karriere bei einer Fußball- Managementagentur, arbeitete in verschiedenen Bereichen des Fußballs und gründete 2002 in München die Agentur „Goal2career“, die weltweit Spieler und Vereine berät.  

 

Frage: Wie kann man Spielerberater oder Manager werden?

Helmut Richter: Wichtige Grundvoraussetzungen sind Kenntnisse im sportökonomischen Bereich sowie Verhandlungsgeschick. Des Weiteren sollten Manager tatsächlich Ihren Spieler vertreten und gleichwohl Vertrauen und Respekt beim Klub genießen.

Darüber hinaus wäre ein kulturelles Grundwissen über die Länder, in denen man arbeitet, wünschenswert. Zwei bis drei Fremdsprachen sind heutzutage einfach erforderlich.

 

Wie viel Geld wird Ihrer Branche umgesetzt?

HR: Es ist eine schwierige Frage. Ich denke, die  Vergütung für die Manager bewegt sich normalerweise im Bereich zehn bis zwölf Prozent vom Spielergehalt. Dies ist von Transfer zu Transfer jedoch unterschiedlich, es beginnt manchmal schon bei vier bis fünf Prozent und kann aber auch in Einzelfällen im skandalösen und utopischen Bereich enden.

 

Wie sucht man die Spieler aus?

HR: Das funktioniert über ein Scouting- System. Ich selbst analysiere die Informationen über Spieler. Neben der sportlichen Qualität lege ich großen Wert  auf einen sauberen Charakter, ich führe mit dem Spieler ein Vieraugengespräch und wenn man sich einig wird, beginnt meine Arbeit.  

Ich kann mir über mein Netzwerk innerhalb kürzester Zeit zwei bis drei unabhängige Meinungen bezüglich eines Spielers einholen.

 

Wie ist – neben den Scouts — ihr Team aufgebaut?

HR: Ein gutes Team erfordert leistungsstarke und zuverlässige Mitarbeiter. Für die verschiedenen Bereiche gibt es jeweils Spezialisten, z.B. für die Rechtsberatung einen Anwalt.  Ein gutes Netzwerk ist eng miteinander verzahnt, Kontakte zu Vorständen, Spielerberatern und Journalisten gehören dazu. In jedem Land gibt es eigene Gesetze und Regeln. Ohne Spezialisten vor Ort, die das Vertrauen genießen, ist es schwer, erfolgreich zu arbeiten.

Nehmen wir Stani Reichen, der für unser Unternehmen in Asien tätig ist. Er baut Verbindungen auf und ist vertrauensvoller Ansprechpartner vor Ort.

Wenn ein Fußballmanager behauptet, weltweit und flächendeckend starke und direkte Kontakte zu Klubs zu haben, dann lügt er.  Der zeitbeanspruchende Aufbau eines Netzwerks ist mühsam.

 

Welche Fußball-Märkte sind für Sie wichtig?

HR: Letztes Jahr habe ich mich intensiv mit der neu gegründeten Fußball Liga in Indonesien beschäftigt. Mein augenblicklicher Fokus liegt im deutschsprachigen, russischen und arabischen Raum. Ich bin sicher, dass Asien im Fußball eine große Zukunft hat.

 

Ist es nicht schwierig, auf der ganzen Welt tätig zu sein?

HR: Anfang letzten Jahres weilte ich in Indonesien etwa 15.000 km entfernt von Deutschland und habe zwei Tage vor Transferschluß eine Absage von einem deutschen Torwart erhalten, um den ich mich zuvor intensiv bemüht hatte. Die Absage geschah aus privaten Gründen, sozusagen in letzter Minute. Aufgrund meiner Beziehungen gelang es mir dann innerhalb 24 Stunden, den lettischen Nationaltorwart Deniss Romanovs ins Flugzeug zu setzen und ihn Richtung Indonesien zu lotsen. Während dessen Anreise habe ich in der Hotel Lobby den Spielervertrag vorbereitet und bin sofort zum Flughafen, wo der Spieler den Vertrag unterschrieb. Dass dieser Spieler obendrein nun einer der besten Spieler in Indonesien war, ist schon eine Genugtuung. Das wichtigste aber ist, dass mein Netzwerk funktioniert und verlässlich ist. Im Grunde kann ein länderübergreifender oder weltweiter Transfer binnen 24 Stunden realisiert werden. Romanovs wird nun nachgesagt, der beste Torwart, der jemals in Indonesien gespielt hat, zu sein. Dank seiner Leistungen hat sein Klub FC Arema das Viertelfinale der AFC- League erreicht.

 

Sie sprechen von Indonesien, was haben Sie dort gemacht?

HR: Der damalige Generaldirektor der indonesischen Fußball- Liga, Herr Arya Abhiseka beauftragte mich, mitzuhelfen, eine saubere Fußball- Liga neu zu gestalten. Der Fußball in Indonesien war am Ende, Spieler, Schiedsrichter und Funktionäre ließen sich bestechen, es gab zu viele Skandale. ‚Öl- Tycoon‘ Arifin Panigoro hatte sich zum Ziel gesetzt, diesen Missständen ein Ende zu bereiten und stellte für den ‚Säuberungsprozeß‘ finanzielle Mittel bereit.

Meine Aufgabe bestand darin, internationale Trainer, Spieler und Schiedsrichter für dieses Projekt zu gewinnen. In der Folge habe ich einige Trainer und Schiedsrichter sowie eine Vielzahl von Spielern vermittelt.

Leider kam es der der Folge zu internen Meinungsverschiedenheiten in der Führung, was zur Folge hatte, dass der Milliardär Arifin Panigoro seine Motivation an diesem Projekt verlor und sich zurückzog. Seine Unterstützung reduzierte sich auf ein Minimum.

Das viertgrößte Land der Erde mit 250 Millionen Menschen fiel im FIFA-Ranking auf Platz 152 zurück. Obwohl Indonesien ein großes Potential besitzt, wurden die Probleme in der Führungsebene der Liga und des Verband immer größer und so habe ich mich entschlossen, das Projekt nicht weiter zu unterstützen.

 

Kommen wir zum türkischen Fußball, was fällt Ihnen spontan ein?

HR: Mir ist nicht verborgen geblieben, dass die Türkei nach der verpassten Teilnahme für die EURO 2012 einen neuen Trainer verpflichtet hat. Erst kürzlich habe ich in Österreich einige Testspiele der türkischen Nationalmannschaft gesehen, ich habe mir auch Informationen eingeholt und glaube, dass die Mannschaft großes Potential besitzt. Den Skandal im türkischen Fußball habe ich auch mitbekommen. Es wäre wünschenswert, dass diese Angelegenheit so schnell wie möglich aufgearbeitet wird und es keine weiteren negativen Folgen für den türkischen Fußball hat.

 

Was halten Sie denn von diesem Skandal?

HR: Dies ist nicht nur ein Problem der Türkei, sondern so etwas gibt es auf der ganzen Welt. Dass aber ein so großer Klub, wie Fenerbahce damit in Verbindung gebracht wird und auf Grund dessen ein Zwangsabstieg drohte, ist traurig. Ich hoffe, dass im türkischen Fußball wieder die Normalität einkehrt. Was genau vorgefallen ist, entzieht sich meiner Kenntnis, aber vorbeugend sollte man hohe und harte Strafen aussprechen, sonst bekommt man das Problem nicht in den Griff.

 

Welche Trainer kennen Sie im türkischen Fußball?

HR: Engin Firat ist in Deutschland ein bekannter Trainer. Es gibt wohl keinen, der so viel Wissen über die türkischstämmigen Spieler in Deutschland  besitzt und Erfahrung sowohl mit der türkischen und der deutschen Kultur bzw. Mentalität aufweist. Ferner ist mir Trainer Fatih Terim ein Begriff, er hat sich im europäischen Fußball bewiesen, aber auch Senol Günes. Sonst kann ich Ihnen keine weiteren Namen nennen.

 

Welche türkischen Spieler kennen Sie?

HR: Das sind die in Deutschland aufgewachsenen Altintop- Brüder, nicht zu vergessen die ‚Deutschtürken‘ Nuri Sahin und Mesut Özil. Dann Tugay Kerimoglu, der in Glasgow und bei den Blackburn Rovers erfolgreich spielte. Emre hat bei Inter und Newcastle guten Fußball gespielt und Nihat Kahveci in Spanien einen guten Job verrichtet.

 

Gibt es türkische Spieler, mit denen Sie gerne zusammenarbeiten würden?

HR: Es gibt sehr gute türkische Spieler. Aber wir interessieren und konzentrieren uns mehr auf türkischstämmige Spieler in Deutschland. Im Moment existiert im Nachwuchs eine sehr gute Generation. Natürlich würden wir uns auch in Zukunft wünschen, vermehrt mit türkischen Spielern zusammenzuarbeiten. Pascal Reichen war im Mai dieses Jahres bei einem Play-Off Spiel in Denizli und hat über zwei gute Spieler berichtet. Das bedeutet, wir befassen uns mit dem türkischen Fußball.

 

Haben Sie vielleicht Vorschläge für den türkischen Fußball?

HR: Damit der türkische Fußball mehr Aufmerksamkeit erfährt, wäre die Ausrichtung einer Europameister- oder Weltmeisterschaft in der Türkei eine Idee. Dies würde staatliche Unterstützung für neue Stadien geben, die Infrastruktur verbessern und auch der Nachwuchs würde ungemein profitieren.

 

Welche wichtigen Transfers haben Sie abgewickelt?

HR: Es waren einige Hundert Transfers, namhafte Spieler wie die Nationalspieler Mark Schwarzer, Peter Nowak, Paul Agostino und zuletzt Otto Fredrikson waren auch dabei.

 

Schildern Sie doch eine interessanteste Geschichte, dass Sie erlebt haben!

Anfang der Neunziger Jahre war ich vom Schweizer Klub BSC Young Boys beauftragt, den Nationalspieler Ahmed Ouattara aus der Elfenbeinküste zu verpflichten. Ich flog nach Abidjan. Der Spieler war in Südafrika, ich flog ihm nach. Als ich in Südafrika ankam, war der Spieler wieder weg. Wieder zurück nach Abidjan, Treffen mit dem Spieler und dem Präsident von Ouattara’s Klub. Plötzlich ein Anruf von einem Schweizer Journalisten. Er teilte mir mit, dass der ivorische Präsident wegen meiner Absichten sehr wütend war. Ich solle sofort zurückkommen, weil dieser Präsident über die Schweizer Zeitungen verlauten hat lassen, mich ins Gefängnis stecken zu lassen. Ich flog sofort zurück nach Europa. Ursächlich war eine falsche Information eines afrikanischen Kollegen. Diese Episode war trotzdem lehrreich.